Dass Banken kaum noch Zinsen zahlen – geschenkt. Einige nehmen sogar Geld dafür, dass sie Kundengelder verwahren. Bislang war das aber erst bei sechsstelligen Summen ein Thema. Nun führt ein Anbieter Negativzinsen ab dem ersten Euro ein.

Das Thema Zinsen bleibt für Sparer unerfreulich. Bei Tagesgeldkonten bewegen sich die Sätze im Promillebereich. Und selbst mit mehrjährigem Festgeld ist es unmöglich, die derzeitige Inflationsrate von zuletzt 2,2 Prozent auszugleichen. Inzwischen können Anleger schon froh sein, wenn sie nicht selbst dafür zur Kasse gebeten werden, dass sie ihr Geld verleihen. Bei institutionellen Kunden kommt das inzwischen häufiger vor. Bei einigen Sparkassen und Volksbanken werden hohe Guthaben mit der Zeit nicht höher, sondern weniger. Strafzinsen für geringere Summen unter 100.000 Euro gab es bislang nicht. Doch das ist Vergangenheit.

Mit dem Direktbroker Flatex führt nun zum ersten Mal ein Finanzunternehmen einen Negativzins ab dem ersten Euro ein. Und das für alle Kunden, also auch – und vor allem – für private. Sie wurden bereits darüber informiert, dass sie für die Einlagen in ihren Depots ab dem 15. März jährlich 0,4 Prozent Zinsen zahlen müssen. Damit gibt Flatex direkt die eigenen Kosten bei der Notenbank weiter. Die EZB verlangt seit 2014 ein „Verwahrentgelt“ für Gelder, die bei ihr zwischengeparkt werden. Dieser Strafzins liegt seit einem Jahr bei 0,4 Prozent. Das Zwischenparken ist nötig, weil Kunden ihre Gelder derzeit ungern langfristig binden. Einlagen in Depots oder auf Tagesgeldkonten können jederzeit abgezogen werden – und das macht es für Banken und Broker riskant, mit dem Geld zu arbeiten.

Kunden können ausweichen

Rund eine Milliarde Euro Barvermögen schlummern in den Depots von Flatex, das ergibt eine Zinslast von 4 Millionen Euro im Jahr.  „Bei durchschnittlich rund 10.000 Euro Einlagen je Kunde verursacht das Kosten von 10 Euro im Quartal“, rechnet Flatex-Chef Frank Niehage der dpa vor. Und diese Kosten sollen die Kunden in Zukunft eben selbst tragen. Wer das vermeiden will, kann sein Barvermögen über den Flatex-Partner Zinspilot auf Tages- oder Festgeldkonten transferieren. Außerdem sollen drei kostenfreie ETFs angeboten werden. Anlagen in Wertpapiere fallen ausdrücklich nicht unter den Strafzins.

„Sollte die EZB nachlegen, werden wir den Negativzins erhöhen müssen“, sagte Niehage der dpa, mit Blick auf das Verwahrentgelt. Sobald der Zins sinkt, werde man das natürlich an die Kunden weitergeben. Doch davon geht man bei Flatex aktuell offenbar nicht aus. „Wir reichen diese Kosten nun erstmals transparent weiter, da wir keine Abkehr von diesem Trend in naher Zukunft erwarten“, heißt es in dem Brief an die Kunden.

Den Vorwurf der Intransparenz kann man Flatex in der Tat nicht machen. Der Negativzins ist im Grunde die sauberste Lösung für Banken oder eben auch Broker, ihre gestiegenen Kosten weiterzugeben. Denn damit werden direkt die Verursacher zur Kasse gebeten, die flexibel über ihre Gelder verfügen wollen, statt sie zu binden. Andere Institute erhöhen stattdessen die Kontoführungsgebühren oder setzen die Preise für einzelne Dienstleistungen herauf.

Sonst wird’s erst bei großen Summen eng

Seit Februar müssen sich nun auch die Kunden der Volksbank Hamburg Gedanken machen, ob das Tagesgeldkonto wirklich der geeignete Ort für ihr Vermögen ist. Für Summen über 500.000 Euro werden 0,2 Prozent Zinsen fällig. Einen anderen Weg hat die Volks- und Raiffeisenbank Niederschlesien eingeschlagen. Statt Zinsen nimmt sie für ihr Tagesgeldkonto Gebühren.  Je nach Einlagenhöhe werden zwischen 5 und 50 Euro im Monat berechnet – und das schon ab dem ersten Cent. Betroffen wären davon allerdings nur Neukunden, und die machen natürlich einen Bogen um das teure „VR Flex Geld“. So muss aktuell niemand befürchten, dass die Kosten das Guthaben auffressen.

n-tv.de


Erster Anbieter startet Strafzins für alle – Geld parken und draufzahlen
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