Mea culpa, mea maxima culpa. Ich geb’s zu, ich hab’s verpennt.

Als ich mich noch mit Aktien beschäftigt habe, hat mich nichts mehr geärgert, als wenn sich eine Aktie, die ich eigentlich auf dem Schirm, aber nicht gekauft hatte, vervielfacht hat. So ist es mir jetzt mit Bitcoins ergangen. Obwohl sie mir immer mal wieder über den Weg liefen, ließ ich sie links liegen. Aus Zeitgründen, weil mir die Materie zu kompliziert war und weil ich derzeit ohnehin kein Geld übrig habe. Allerdings wären schon aus 100 Euro mittlerweile in nur drei Monaten 1600 Euro geworden. Im Zuge der Zypern-Krise legte ich mir dann – ohne richtige Kenntnis – ein paar Bitcoins zu und diese haben sich jetzt schon fast verdreifacht. Meine Facebook-Freunde hatte ich zur Sicherheit auch schon auf diese Möglichkeit aufmerksam gemacht, was hoffentlich einigen schon einen Gewinn beschert hat.

Aber nun fühle ich mich mit dieser Empfehlung noch sicherer, denn: Hier findet etwas statt und zwar ein Paradigmenwechsel außerordentlicher Art. Als ich noch hochspekulative Aktien empfahl, war ich immer auf der Suche nach dem höchsten Kurspotenzial. Unter 100% Chance hat mich ein Papier gar nicht interessiert. Aber das höchste nach meiner Erinnerung ausgegebene Kursziel war ein Verzehnfacher (tenbagger). Tatsächlich haben sich auch zahlreiche Aktien, die ich empfohlen habe, verdoppelt, verdreifacht und verzehnfacht. Bei so vielen Vervielfacher-Aktien blieb während des Bullenmarktes für den disziplinierten Leser, der die empfohlenen Stoppkurse beachtete, eine dreistellige Performance übrig.

Das Kurspotenzial einer Aktie ist allerdings durch seine Fundamentaldaten, also den realen Gewinnaussichten, begrenzt. Daher war mir nie das Vergnügen gegönnt, ein Kursziel auszugeben wie bei Bitcoins. Now I proudly present: Das bisher höchste von mir ausgegebene Kursziel: Unendlich. Das ist das Potenzial für Bitcoins. The sky (the state) is the limit. Denn diesmal ist alles anders.

Das kommt Ihnen bekannt vor? Das klingt Ihnen zu euphorisch? Zu sehr nach New Economy-Blase? Tatsächlich vergleichen einige Kommentatoren Bitcoins jetzt schon mit der Internetblase aus den Neunzigern und sie geben gute Gründe dafür an: Die Kurse steigen wie bei jeder Blase exponentiell. Psychologische Komponenten wie Gier und Angst bestimmen das Geschehen. Aber es gibt abseits der immer eine Rolle spielenden, psychologischen Faktoren einen – wörtlich – FUNDAMENTALEN Unterschied zur Internetblase.

Der Kurs von Bitcoins hängt nicht von fundamentalen Faktoren wie Cash-Flow oder Inventarwert ab, sondern einzig von dem Vertrauen der Nutzer in Bitcoins als Währung. Und dieses Vertrauen ist das reziproke Spiegelbild des Misstrauens gegenüber den jetzigen Papiergeldwährungen. Wer sich mit dem Papiergeldsytem auskennt, weiß, dass Dollar und Euro locker noch einmal 90% an Wert verlieren können. Tatsächlich hat der Dollar seit seiner Einführung schon einmal 90% verloren und daraufhin noch einmal fast 90% (Wir sind derzeit bei etwa bei 98% Wertverlust, je nach Vergleichsmaßstab). Der Wert nähert sich exponentiell der Null-Linie. Das Kurspotenzial von Bitcoins ist daher der Kehrwert dieser Exponentialkurve. Diese Exponentialkurve hat aber keine Grenze, an die sie anstoßen könnte. (Exkurs: Deshalb gibt es auch keinen Grenzen des Wachstums. Dass die Erde endlich ist, ist irrelevant. So lange es neue Erfindungen gibt, kann die Produktivität steigen. Es gibt keine Begrenzung des menschlichen Geistes).

Da die Anzahl der Bitcoins begrenzt ist, kann deren Wert also immer weiter steigen, solange sich die Menschheit nicht selbst vernichtet. Zur nicht beliebigen Vermehrbarkeit und anderen Einwänden informieren Sie sich bitte auf Webseiten wie Mount Knox. Das Marktvolumen der bisher ausgegebenen Bitcoins hat die Eine-Milliarde-Euro-Grenze schon überschritten. Das ist beachtlich, aber noch gar nichts im Vergleich zu den Giralgeldbergen, die bereits aufgetürmt wurden.

Heißt das, dass Bitcoins immer weiter steigen müssen? Keineswegs. Sie steigen nur so lange, wie Bitcoins als Geld anerkannt werden. Geld ist, was Geldfunktionen erfüllt. Die beiden Funktionen von Geld sind: Tauschmittel und Wertaufbewahrungsmittel. An dieser Definition erkennen wir schon, dass Dollar und Euro gar kein Geld sind. Die Wertaufbewahrungsfunktion erfüllen sie in keinster Weise, denn sie entwerten sich – mit Ausnahme ganz kurzer deflationärer Phasen – andauernd. Und die Tauschfunktion erfüllen sie nur, weil der Gesetzgeber sie zum gesetzlichen Zahlungmittel erklärt hat. Es ist Fiat Money (Von lat. fiat = es werde).

Bitcoins hat aber niemand zum Tauschmittel erklärt. Sondern es wird freiwillig von einer ständig ansteigenden Anzahl von Menschen und Unternehmen akzeptiert. Die Wertaufbewahrungsfunktion erfüllen Bitcoins bis dato nur sehr rudimentär. Schließlich ist auch diese Währung schon einmal drastisch gefallen. Aber, und das ist das Bemerkenswerte, sie hat sich von diesem dramatischen Wertverlust wieder vollständig erholt und erzielt im Moment täglich neue historische Höchststände. Das hat noch kein ungedecktes Papiergeld geschafft.

Die größte Bedrohung für Bitcoins geht natürlich vom Staat aus. Bitcoins haben nicht nur das Potenzial, alle Zentralbanken vom Antlitz der Welt zu tilgen, sondern auch die Staaten selbst. Mit der Möglichkeit, die Bevölkerung über das Geldsystem zu kontrollieren und zu enteignen, ist der Staat fast sämtlicher Handlungsmöglichkeiten beraubt. Transaktionen können völlig anonym und an der Steuer vorbei durchgeführt werden. Schon heute bilden sogenannte Krypto-Anarchisten eine nicht zentral überwachbare oder steuerbare Gemeinschaft freier Individuen. (Kleiner Exkurs für linke Anarchisten: Das funktioniert nur, weil es Eigentum gibt. Ein Bitcoin ist das Eigentum seines Benutzers und dazu braucht es ganz offensichtlich nicht den Staat, wie manche linke Anarchisten behaupten, sondern nur die Übereinkunft: Was Dir gehört, gehört nicht mir).

Der Staat wird also alles tun, um Bitcoins zu zerstören. Aber das ist gar nicht so einfach, weil es keinen zentralen Angriffspunkt gibt. Der Algorithmus ist öffentlich und für jeden einsehbar. Jeder kann sich die erforderlichen Daten herunterladen. Es gibt also unzählige Webseiten und Server, auf denen alle Daten gespeichert sind, die man benötigt, um die eigenen Bitcoins zu entschlüsseln. Selbst wenn also fast alle Webseiten gesperrt und die meisten Server beschlagnahmt wären, genügt ein übrig gebliebenes Speichermedium, auf dem alle bisher abgeschlossenen Transaktionen gespeichert sind (Block Chain), um das ganze System wiederherzustellen. Alle auf Medien wie USB-Sticks gespeicherten Bitcoins wären wieder funktionsfähig. Theoretisch könnten also sogar alle Computer zerstört werden. Sobald jemand wieder einen Computer baut, könnte man die Bitcoin-Datenbank wieder hochladen.

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Gegenüber Gold haben Bitcoins sogar den Vorteil, dass sie sehr leicht transportiert werden können. Während Sie an der Grenze mit Goldbarren im Gepäck leicht aufgehalten werden können, müssen Sie sich bei Bitcoins nur ihr Passwort merken und sie können am anderen Ende der Welt wieder an ihr Geld ran. Gold hat natürlich den Vorteil, dass es ein realer Sachwert ist. Es hat auch noch industriellen Nutzen (Silber einen noch höheren) und der Wert kann nicht auf Null sinken. Gleichwohl beruht ein Großteil des Wertes, ebenso wie bei Bitcoins, auf Vertrauen in die Funktion als Geld. Meiner Ansicht nach ist es ausgeschlossen, dass Anleger im Zuge der Zypern-Enteigungen nicht versuchen, in Gold zu fliehen. Da der Kurs aber fällt, wird er höchstwahrscheinlich manipuliert. Ironischerweise treibt man damit die Anleger geradezu in Bitcoins.

Gold und Silber sind aber trotzdem noch eine sehr gute Absicherung. Ich kann die These nicht belegen, aber ich vermute, die Notenbanken nutzen frisch erzeugtes Geld als Margin (Sicherheitsleistung), um Terminkontrakte zu verkaufen, ohne sich das Gold vorher zu leihen. Das können sie praktisch beliebig machen, solange sie existieren. Die meisten Terminkontrake werden ohnehin nicht erfüllt und im Zweifel macht der Verbrecherstaat ein Gesetz, dass sie nicht erfüllt werden müssen. Das Spiel hat erst ein sicheres Ende, wenn die Zentralbanken abgeschafft werden. Und das werden sie so sicher wie das Amen in der Kirche, auch wenn die Fiat-Money-Jünger das nicht glauben wollen. Spätestens dann wird Gold wieder seinen wahren Wert haben.

Heißt das nun, dass man bedenkenlos Bitcoins kaufen kann? Ja, aber bedenke: Der Kurs kann sogar über Nacht um 90% fallen. Da Bitcoins – zum Glück – unreguliert sind, gibt es auch nicht, wie an der Börse, irgendwelche Grenzen, um wie viel ein Kurs fallen kann, bevor der Kurs ausgesetzt wird. Bricht einmal eine Panik aus, kann der Kurs schnell ins Bodenlose fallen. Solange sich also Bitcoins nicht als allgemeines Zahlungsmittel durchgesetzt haben, unterliegt es hohen Schwankungen. Im Nachhinein dürften sich aber Kurseinbrüche als Kaufgelegenheiten herausstellen.

Anlässe für Einbrüche wird es genug geben: Spekulative Überhitzung, Kriminalisierung durch Staaten, Horrorstorys von Betrug und Geldwäsche. Immer wieder wird es sogar Betrugsfälle bei Anbietern geben. In der Presse wird das mit Sicherheit so dargestellt werden, also ob das ganze System betrügerisch ist. In Wirklichkeit werden es aber nur einzelne Anbieter sein, die zum Beispiel so tun, also ob sie Bitcoins herstellen, in Wirklichkeit aber etwas ganz anderes tun. Welche Möglichkeiten es da gibt, kann ich nicht sagen. Dazu bin ich zu wenig IT-Experte. Aber mit der Währung an sich, haben diese Fälle dann nichts zu tun. Der Algorithmus selber ist – nach meinem bisherigen Verständnis – nicht angreifbar. Selbst wenn er es wäre, bisher hat er offensichtlich alle Angriffe überstanden, trotz garantiert tausendfacher Versuche.

Falls Sie ihren Job leid sind oder zu den Opfern staatlich erzeugter Arbeitslosigkeit gehören, sollten Sie sich unbedingt mit dem Thema beschäftigen. Rund um Bitcoins entsteht gerade eine riesige neue Industrie, in der es gerade am Anfang noch unzählige Geschäftsmöglichkeiten gibt.

Als Investment bleiben Bitcoins zunächst spekulativ. Aber auch hier gibt es inzwischen Webseiten, wo sie Verluste mit Hilfe von Stoppkursen begrenzen können. Natürlich sollten sie nur kleine Teile ihres Gesamtvermögens investieren. Was ich aber nicht raten würde, ist abzuwarten, bis ein Rücksetzer kommt. Bis dahin können sich die Dinger noch mal verdoppelt haben. Eher würde ich mit einem Drittel des vorgesehenen spekulativen Betrages einsteigen und gegebenenfalls nachkaufen. Da ich nicht mehr auf dem Laufenden bin, was sich der Staat gerade wieder für Regulierungen bezüglich der Empfehlungen von Investments ausgedacht hat: Das ist keine Anlageberatung oder die Aufforderung, Bitcoins zu kaufen. Sie sind ein freier Mensch und entscheiden in eigener Verantworung. Ich hafte für nichts und bin selber in Bitcoins engagiert (Disclaimer), leider mit einem lächerlichen Betrag – mangels Masse.

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Theoretisch können sich natürlich auch noch Konkurrenzwährungen etablieren. Aber der Vorsprung, den Bitcoins haben, ist schon relativ groß und es ist derzeit kein Vorteil ersichtlich, den andere Währungen bieten könnten. Es kann also durchaus sein, dass wir in ferner Zukunft, wenn wir zu den Sternen reisen, immer noch mit Bitcoins zahlen. Es sei denn, die Aldebaraner haben etwas besseres erfunden.

Ergänzung: Wie bei so einem kontroversen Thema zu erwarten war, prasseln jetzt die ganzen Gegenargumente auf mich ein.

Die will ich im Telegrammstil beantworten:

1. Bitcoins wäre auch Fiat-Money, da sie durch nichts gedeckt sind: Falsch. Fiat heisst, dass es per staatlichem Dekret zu Geld wird, hier entscheidet das der Markt, also wir alle.

2. Es wäre ein Ponzi-Schema, also ein Schneballsystem, von dem nur die Erschaffer profitieren: Falsch. Natürlich profitieren die Erschaffer, sie haben auch das Risiko getragen. Aber es ist kein Schneeballsystem, da die Ausgabe neuer Bitcoins begrenzt ist. Sind alle ausgegeben funktioniert es weiter, sogar besser. Ein Schneeballsystem funktioniert nur, wenn weiteres Geld ausgegeben wird und alte Schulden damit bezahlt werden. Jeder profitiert, der Bitcoins als Währung benutzt, nicht nur die Erzeuger.

3. Es wäre gar nicht anonym, da die Polizei zum Beispiel den Computer des Nutzers beschlagnahmen kann.  Klar, die Polizei kann auch Gold beschlagnahmen. Aber hier ist es möglich, alle Daten zu anonymisieren, wenn man will. Man muss nur von einem bekannten Account die Bitcoins zu einem transferieren, das den Behörden nicht bekannt ist.

4. Die Bitcoin-Leute kooperieren mit dem Staat: Das ist bedauerlich. Aber nach meiner Einschätzung hat das mit den verschiedenen Anbietern zu tun, die das machen, um ihr Geschäftsmodell abzusichern. Die Währung an sich sollte davon nicht tangiert sein.

Zudem wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass sich amerikanische Plattformen für Trading besser eignen und diese mehr Möglichkeiten bieten. Das stimmt wohl. Bitcoin.de ist aber wohl die größte deutsche Plattform. Wenn Sie sich unten unter meinem Link anmelden, bekomme ich etwas von den Transaktionsgebühren ab (Fragen Sie mich nicht, wie viel, es steht in deren Bedingungen), ohne, dass Sie mehr zahlen. Aber sicherlich gibt es in den USA bessere Plattformen für aktive Trader. Fühlen Sie sich frei, sich auch dort anzumelden.

Aus Anlass des Crash: Wie oben beschrieben können BCs sehr schnell fallen, wenn Panik ausbricht. Das war eine geradezu mustergültige Korrektur. Aber genau so gut hätten der Kurs erst noch auf 400 Euro steigen können, bevor er korrigiert. Das Timing ist sehr schwierig, erst recht bei einem so jungfräulichen Markt. Aber frei nach Kostolany sind die BCs jetzt von den Zittrigen zu den Hartgesottenen gewandert. Bei der Gelegenheit: Bitcoins.de war in dieser Phase viel zu langsam. Die müssen noch erheblich nachrüsten. Zudem kann es dort passieren, dass Orders einfach storniert werden. Also sind amerikanische oder andere besser ausgerüstete Plattformen deutlich zu bevorzugen. Aber, wie erwähnt, ist Bitcoin.de derzeit eben der größte Anbieter in Deutschland. Da ist noch viel Platz für Unternehmensgründer! Allerdings hat Bitcoin.de jetzt sicherlich auch die Mittel aufzurüsten, bei dem Traffic, den sie hatten.

Noch ein Aspekt: Viele verschätzen sich, wenn sie so einen rasanten Aufstieg sehen und denken sofort an eine Blase. Wenn BCs aber auf 10000 Euro steigen, sieht die jetzige Bewegung mickrig aus. Nehmen Sie mal einen Chart von Gold, Amazon oder Apple. Wenn Sie jeweils die rechte Seite abdecken, erkennen Sie, dass es da auch bei viel tieferen Kursen immer mal nach einer Blase aussah.  Und Bitcoins haben aus den erwähnten Gründen eben keine Grenze nach oben. Gold übrigens auch nicht.

P.S. Wenn Sie nun glauben sollten, man bräuchte keine politische Partei mehr, weil Bitcoins das System sowieso zerstören, liegen Sie schief. Wenn die Politgauner anfangen, die Benutzung von Bitcoins zu kriminalisieren, nützt es Ihnen nichts, wenn die Bitcoins selber überleben. Im Gefängnis haben Sie kein Internet. Dann werden Sie dankbar für eine Partei sein, die Sie wieder rausholt, weil sie es für ihr natürliches Recht hält, sich frei für eine Währung oder alle anderen Güter und Dienstleistungen zu entscheiden.

Quelle: oliverjanich.de

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Warum Bitcoins unendlich weitersteigen können
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